Bankbeziehung in der Unternehmenskrise – die Erstinformation der Bank

Wenn Schwierigkeiten in einem Unternehmen auftreten, wird gewöhnlich zuerst versucht, diese selbst aus der Welt zu schaffen bzw. zunächst zu verschleiern und auf Besserung zu hoffen. Der Vorteil einer derartigen Vorgangsweise aus Sicht des Unternehmens wird darin gesehen, dass die Bank nichts ahnt und das Unternehmen frei agieren kann.

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Schwierig ist es für eine Bank immer dann, wenn sie selbst eine Unternehmenskrise zu erkennen glaubt, der Kreditnehmer dies jedoch nicht so sieht. Hier sollte eine offene Sprache der Bank nicht auf Unverständnis stoßen.

Entdeckt die Bank die Schwierigkeiten jedoch selbst und ohne vom Unternehmer informiert zu sein, so ist eine Vertrauenskrise eine häufige Folge. Eine zeitgerechte Information durch das Unternehmen hätte dies verhindern können und wohl auch sollen.

Umgekehrt darf man sich keinen Illusionen hingeben. Banken gehen in der Regel davon aus, dass eine Krise bei Mitteilung durch den Kunden bereits ein kritisches Stadium erreicht hat. Die exakte Beschreibung der Situation, verbunden mit einem glaubhaft kommunizierten Maßnahmenplan, zeigt der Bank, dass der Kunde das Problem nicht nur identifiziert hat, sondern auch bereits gegensteuernde Maßnahmen ins Auge gefasst oder bereits eingeleitet hat.

Der „Weg zur Bank“ (Information über die aktuelle Situation) sollte nicht vorschnell und ohne Vorbereitung erfolgen, eine unnötige Verzögerung ist jedoch sehr gefährlich. Man sollte das Informationssystem der Banken nicht unterschätzen. Die Angst davor, sich durch Information der Bank den Ast abzusägen, auf dem man sitzt, ist psychologisch verständlich, rational jedoch zumeist unberechtigt.

Sieht die Bank gute Chancen, durch Stillhalten oder durch ein vertretbares Einschießen weiterer Mittel die Krise zu überwinden, wird sie zumeist bei der Stange bleiben. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn sie befürchten muss, Geld zu verlieren, falls sie „den Hahn zudreht“. Dies ist unter Umständen sogar dann der Fall, wenn sie zwar voll besichert ist, diese Sicherheiten aber unter Umständen der Anfechtung unterliegen könnten (weil sie beispielsweise erst innerhalb der Anfechtungsfrist bestellt wurden). Insbesondere dann wird sie möglicherweise bemüht sein, die Anfechtungsfrist zu überstehen. Das Unternehmen gewinnt dadurch allenfalls Zeit zur Restrukturierung. Die Bank kann dann durchaus zu einem Sanierungshelfer werden. Wenn ein Teil der Kredite blanko oder nicht anfechtungsfest besichert sind, ist die Bank auf die Mitwirkung des Unternehmens angewiesen.

Die Bereitschaft einer Bank, dem Unternehmen auch in schwierigen Zeiten beizustehen, hängt primär von der Unternehmenskultur und der Problemlösungskapazität der Bank ab. Sie ist in verschiedenen Banken sehr unterschiedlich ausgeprägt. Vor allem dieses Merkmal sollte für ein Unternehmen auch in guten Zeiten ein wesentliches Kriterium für die Bankwahl sein. Die Beobachtung, wie die eigene Hausbank mit Krisen in fremden Unternehmen umgeht, erleichtert die Einschätzung des möglichen Bankverhaltens.

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Das erhöhte Risiko der Bank ist in der Regel mit einem Risikozuschlag zu bezahlen. Dies sollte vom Unternehmen verstanden werden, da es ein normales kommerzielles Verhalten ist. Völlig davon losgelöst ist jedoch die Frage, ob bei einer wirklichen Sanierungssituation nicht mit einem „Sanierungszinssatz“ (bewusst niedriger Zinssatz für eine definierte Periode als Sanierungsbeitrag) operiert werden kann. Dies ist der Bank oft lieber als ein direkter teilweiser Forderungsverzicht und auch auf besicherte Kredite darstellbar.

Zieht die Bank mit, so hat das Unternehmen in der Krise zumeist einen wichtigen Verbündeten, auch in Fragen der Verhandlung mit anderen Banken, wo die Hausbank quasi wie ein Schutzschild agieren kann. Sie kennt zumeist auch die „Sanierungsmanager“ in anderen Banken und hat oft viele Baustellen mit diesen bei unterschiedlichsten Unternehmen. Zumeist verstehen sich diese untereinander, zumal sie sich persönlich das Leben schwer machen würden, wenn sie nicht in der Mehrzahl der Fälle rücksichtsvoll miteinander umgehen würden. Es kann aber auch vereinzelt vorkommen, dass sie miteinander „ein Hühnchen zu rupfen haben“. Dies ist die Kehrseite der Medaille. Das Unternehmen sollte vor allem diesen Aspekt offen mit der Hausbank diskutieren, falls ein akkordiertes Vorgehen auch gegenüber Dritten notwendig wird. Gelegentlich kann im Fall einer schwierigen Gesprächsbasis zwischen den Banken auch der Steuerberater, ein sanierungserfahrener Anwalt oder ein Sanierungsberater vermittelnd (und in Abstimmung mit der Hausbank) tätig werden.

Obgleich der Unternehmer verständlicherweise angespannt und verunsichert ist, sollte er der Bank den Eindruck vermitteln, dass er unter Wahrung der Interessen der Bank tätig sein wird und es keine Überraschungen, dafür aber vollumfängliche und zeitnahe Informationen geben wird. Vertrauen ist hier entscheidend. Überzogene Selbstsicherheit ist ebenso wenig am Platz wie Aggressivität oder demonstrative Unsicherheit. Die Bank muss dem Unternehmer zutrauen, dass er in der Krise (auch persönlich und auch mit vertretbaren Teilen seines Privatvermögens) hinter dem Unternehmen steht. Selbstkritik ist angebracht, da der Unternehmer damit der Bank vermittelt, dass er die Situation sachgerecht reflektiert, eine hochkommende Krise auch bewältigen kann und partnerschaftlich mit der Bank umgehen wird.

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