Das Bankgeschäft nach der Finanzkrise: Desegmentierung von Kunden

Die staatlicherseits seit Ausbruch der Finanzkrise massiv erhöhte Regulierungsdichte vereinheitlicht seither die Geschäftsprozesse von Banken hinsichtlich Organisation und Risikomanagement.

Da aufgrund der aktuell praktizierten Nullzinspolitik, Bankenbesteuerung und regulierungsbedingt massiv gestiegenen Administrationskosten von Banken ihre Ertragslagen strukturell unter Druck stehen, ist die Risikotoleranz der Institute massiv gesunken. Gleichzeitig sind Banken aufgrund gesetzlicher Vorgaben dazu gezwungen, ihre Eigenkapitalquoten zu erhöhen, um so krisenresistenter zu werden. Die Erhöhung der Eigenkapitalquote bedeutet für eine Bank, dass das Wachstum des Geschäftsvolumens – zumindest des bilanzsummenrelevanten – als Weg zur Kompensation der gestiegenen Kosten ausscheidet. Eigenkapitalbeschaffung im Weg von Kapitalerhöhungen ist für Geschäftsbanken jedoch extrem unattraktiv, weil ihre Bewertungen am Kapitalmarkt angesichts der schlechten Zukunftsperspektiven und hoher Branchenrisiken auf sehr niedrigem Niveau verharren.

Für das kommerzielle Kreditgeschäft bedeutet dies, dass das Zurückfahren von Risikokosten zu einem zentralen Instrument der Gegensteuerung geworden ist. Dies kann nun auf zwei unterschiedliche Arten erfolgen, die in der Regel kombiniert zum Einsatz kommen. Die eine Maßnahme ist historisch betrachtet nicht neu und stellt ein Standardinstrument dar: Die Kriterien für die Kreditvergabe werden verschärft, um so die Ausfallswahrscheinlichkeit und damit das Kreditrisiko zu reduzieren. Die zweite Maßnahme zur Reduktion der Risikokosten ist die Reduktion des risikorelevanten Geschäftsvolumens, der sogenannten „Risk-weighted Assets“. War seit Jahrzehnten Bilanzsummenwachstum die erstrebenswerte Normalität, so wird es heute teilweise als Erfolg gefeiert, wenn das Gegenteil der Fall ist.

Aktuell bewegen sich die Risikokosten aus dem kommerziellen Kreditgeschäft in der DACH-Region auf sehr niedrigem Niveau. Was seitens der Politik und der Regulierungsbehörden als Erfolg gefeiert wird („Das Finanzsystem ist stabiler geworden!“), stellt eine schlechte Nachricht für Unternehmen als kommerzielle Kreditnehmer dar. Ihre wichtigste Finanzierungsquelle kommt ihnen zwar nicht abhanden, die Trauben hängen aber deutlich höher und die Margen auf Kredite steigen substanziell. Letzteres wird derzeit noch nicht schmerzvoll wahrgenommen, weil das allgemeine Zinsniveau extrem niedrig ist. Spätestens dann, wenn aber die Wirtschaft wieder zu wachsen beginnt, wird die relative Verteuerung der Finanzierungskosten und die geringere Kreditverfügbarkeit zur realen Bedrohung für Unternehmen werden.

Neben den Risikokosten stellt der Personalaufwand die zweite große Kostenposition in der Gewinn- und Verlustrechnung einer Bank dar. Da der „unproduktive Personalaufwand“ zunimmt (jener Teil des Personalaufwands, der auf nicht wertschöpfende Tätigkeiten, wie staatlicherseits oktroyierten Verwaltungsaufwand, entfällt), beschränkt sich die Möglichkeit zu sparen auf den „produktiven Personalaufwand“ (jener Teil des Personalaufwands, der auf wertschöpfende Leistungserbringung entfällt).

Dies schlägt sich für Kommerzkunden in einer Standardisierung der Leistungserbringung und Verringerung der Betreuungsintensität aufgrund von Reduktionen der Bankstellen mit Kommerzkundengeschäft und Umschichtungen kleinerer Unternehmen in das Segment „Retailkunden“ mit weniger Beratungsleistungen nieder. Standardisierung bedeutet wiederum, dass die Flexibilität der Banken sowohl hinsichtlich der Bereitstellung maßgeschneiderter Finanzierungslösungen als auch hinsichtlich der Möglichkeit einer individuellen Kundenbetreuung und Bonitätsbeurteilung abnimmt. Auch beim Auftreten von Unternehmenskrisen oder Liquiditätsengpässen bekommen Unternehmen das bereits deutlich zu spüren. Dieser Trend wird sich voraussichtlich noch verstärken und das gesamtvolkswirtschaftliche Wachstum bremsen.

Erhöhte Standardisierung und überbordendes, regulatorisch induziertes Risikomanagement haben ihren Preis, der sowohl in den Gewinn- und Verlustrechnungen als auch im Sachaufwand von Banken zu finden ist. Kosten für Informatiksysteme nehmen laufend zu und diese sind darüber hinaus im Internetzeitalter durch hohe Aufwendungen für die Transaktionssicherheit sowie zur Abwehr krimineller Angriffe geprägt. Ein historisch gewachsenes Potpourri von teils nur schwer kompatiblen Programmen, das durch sich laufend ändernde Gesetze auch noch einen hohen Wartungsaufwand aufweist, wirkt naturgemäß kostentreibend. Hohe Investionen in die Infrastruktur sind unausweichlich, wenn die Wettbewerbsfähigkeit gewahrt bleiben soll.

Große Unternehmen können angesichts der gesunkenen Leistungsfähigkeit klassischer Banken auf den Kapitalmarkt ausweichen. Mittelständischen bleibt, falls sie nicht attraktiv für alternative Instrumente der Eigenkapitalfinanzierung sind oder solche schlicht nicht wollen, oftmals nur der Verzicht auf Wachstum oder der Weg ins sogenannte „Schattenbanksystem“, in verbriefte Finanzierungen wie z.B. Schuldscheindarlehen.

Weitere wichtige Überlegungen zum Bankgeschäft nach der Finanzkrise betreffen die Veränderungen durch die staatliche Politik.

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