Der Kreditprozess innerhalb der Bank

Der Kreditprozess vom Erstgespräch bis zur Kreditrückzahlung stellt im Kommerzkundengeschäft einer Bank einen standardisiert ablaufenden Prozess dar, der seitens des Bankkunden strukturell nicht wirklich verändert werden kann.

Allerdings kann der Bankkunde durch gute Vorbereitung, schlüssige Gesprächsführung und konsistente Unterlagen sowie Kenntnis des Kreditprozesses diesen positiv beeinflussen und auch bis zu einem gewissen Grad beschleunigen.

Wesentlich ist, dass der Bankkunde sich im Rahmen der Kreditgespräche nicht durch ein positives Gesprächsklima dazu verleiten lässt, überoptimistisch oder nachlässig zu werden. Das Kundengespräch wird in der Regel vom Kundenberater geführt („Vertrieb“), die definitive Kreditentscheidung erfolgt hingegen häufig vom Kreditsachbearbeiter („Riskmanagement“). Der Riskmanager hat jedoch andere Ziele und einen anderen Blickwinkel als der Verkäufer, er kennt auch den Kreditnehmer häufig nicht persönlich. Sorgfalt und Vorsicht seitens des Bankkunden sind daher jederzeit angebracht.

Insbesondere bei kleineren Engagements erfolgt die Kreditprüfung zunehmend automatisiert. Dabei kommt vor allem den Unterlagen eine erhöhte Bedeutung zu. Der Kreditnehmer sollte daher nicht „schlechte Daten“ durch verbale Erläuterungen auszugleichen versuchen. Die Aufbereitung der Daten sollte so erfolgen, dass eine automatische Auswertung auf Basis einer geeigneten Datengrundlage eine positive Kreditentscheidung ermöglicht.

Nachdem der Kreditnehmer über die Finanzmittel verfügt, geht die Kreditbeziehung nun in die nächste Runde. Die Phase der “Kreditkontrolle” erfordert auch seitens der Bankkunden eine laufende aktive Kommunikation mit dem Kreditgeber. Dies gilt vor allem dann, wenn Unregelmäßigkeiten in der Kreditbedienung oder Verschlechterungen der Bonität eintreten.contract_1479060118

Ist der Kredit einmal zugezählt, setzt seitens der Bank während der gesamten Kreditlaufzeit ein permanenter und engmaschiger Prozess der Kreditkontrolle ein. Für die Aufrechterhaltung einer intakten Bankbeziehung ist es daher wichtig, dass der Kreditnehmer laufend und im Falle von Veränderungen (gegenüber der ursprünglichen Situation bei Krediteinräumung) den Kontakt zur Bank sucht und proaktiv informiert.

Es ist einer guten Bankbeziehung abträglich, wenn wesentliche Budgetabweichungen erst im Zuge der nächsten Bilanzanalyse der Bank bekannt werden oder wenn sie Veränderungen der wirtschaftlichen oder rechtlichen Gegebenheiten beim Kreditnehmer von Dritten oder aus Medien erfährt.

Vor Beendigung des Kreditverhältnisses sollte der Kreditnehmer sich überlegen, welche Intentionen er hinsichtlich der weiteren Gestaltung der Bankbeziehung hat. Dies ist sowohl bei einer ordnungsgemäßen Beendigung des Kreditverhältnisses als auch bei einer Umschuldung von besonderer Bedeutung. Die Umschuldung eines Kredites kann ein Signal an eine Bank sein, mit ihr in Zukunft nichts mehr zu tun haben zu wollen. Sie kann aber auch einen Fingerzeig bedeuten, dass es diesmal ein besseres Angebot der Konkurrenz gibt, in Zukunft aber auch gerne wieder mit der bestehenden Bank zusammengearbeitet werden kann. Insbesondere dann, wenn die Bank in letzter Zeit kritischer geworden ist im Rahmen der Kreditkontrolle, kann eine Umschuldung die Bank schmerzen, wenn sie den Kunden nicht verlieren wollte. Derartige Schmerzen sind aus Sicht des Kunden durchaus heilsam. Die Bank wird sich vielleicht in Zukunft besonders um den Kunden bemühen. Aber auch wenn die Beendigung des Kreditverhältnisses durch die Bank erfolgt ist, kann der Kunde davon profitieren, die Türe für die Zukunft nicht gänzlich zu verschließen. Vor allem im Zuge der Finanzkrise 2008/09 waren Banken teilweise gezwungen, ihre Risk-Weighted-Assets, das sind im wesentlichen Kredite, zu reduzieren, da die Bank andernfalls ihren eigenen Eigenkapitalerfordernissen nicht ausreichend entsprechen konnte. Damals wurden an sich gute Kreditkunden aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Situation der Bank vertrieben. Die Situation hat sich aber schließlich im Zeitverlauf wieder verändert. Banken haben daher manchmal etwas gutzumachen.

Es ist wesentlich zu verstehen, dass Unregelmäßigkeiten in der Kreditbedienung von Banken heute anders als noch vor wenigen Jahren wesentlich restriktiver gehandhabt werden (müssen), als das früher der Fall war. Rückstände führen automatisch zu verschärfter Beobachtung und machen eine nachträgliche Sanierung oder eine neue Krediteinräumung schwierig, auch wenn es gute Begründungen seitens des Kreditnehmers dafür gibt. Dies ist primär neuen regulatorisch verursachten Prozessen im Risikomanagement der Banken geschuldet und führt bei Banken auch zu Nachteilen in der Beurteilung des Kreditportfolios mit Auswirkungen auf Kosten für Eigenkapitalunterlegung und Ähnliches. Daher ist es wichtig, vor Eintreten eines Rückzahlungsproblems eine proaktive Kommunikation mit der Bank zu suchen. Gelingt es, über eine Ausweitung des Kontokorrentrahmens oder vergleichbare Maßnahmen die Umgliederung in einen “notleidenden Kredit” zu verhindern, fällt es auch der Bank deutlich leichter, konstruktiv im Sinne der Kundenbeziehung zu agieren.

Jedenfalls steht heute die gesamte Kreditbeziehung wesentlich stärker unter Beobachtung als dies vor der Finanzkrise der Fall war. Banken agieren wesentlich risikobewusster als früher, die Risikokosten sinken daher bei vielen Banken seit Jahren. Dies geht allerdings zu Lasten der Kreditnehmer, die wesentlich weniger Spielraum vorfinden als noch vor wenigen Jahren.

Nappiness / Pixabay

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