Veranlagen oder Spekulieren im Niedrigzinsumfeld: Risikomanagement ist wichtig

Wenn Zinsen sinken, legen die Preise von Vermögenswerten zu. Wenn sie dauerhaft niedrig sind, herrscht Notstand bei der Geldanlage. Sowohl Anleger als auch Spekulanten suchen Rendite. Chancen zu wittern erzeugt Spannung. Risikomanagement dagegen turnt ab. Aber wer nicht auf die Nase fallen will, sollte genau das nicht vernachlässigen. Heute aber anders als früher. Denn manipulierte Märkte sind eine besondere Herausforderung.

Niedrige Zinsen, ja vielleicht sogar Nullzinsen oder Negativzinsen werden uns über längere Zeiten erhalten bleiben. Dies liegt an der koordinierten Vorgangsweise der Notenbanken, die die Märkte fluten. Warum das so ist, habe ich in einem anderen Blogpost bereits dargestellt. Ich denke nicht, dass bei der zu erwartenden Entwicklung Zinsen in den Hauptwährungen US-Dollar, Euro oder japanischer Yen plötzlich steigen werden. Allerdings gibt es auch unvorhersehbare Schocks. Da zahlt sich dann ein ausbalanciertes Anlageportfolio aus. Denn derartige plötzliche Veränderungen haben für Anleger und Spekulanten dann gravierende Auswirkungen. Manche Schocks kündigen sich allerdings auch an und treten nicht unvermittelt ein. Und da sollte man nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden.

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Kryptowährungen mögen als Beispiel dienen

Wenn man sich also nicht Hals über Kopf in ein unkalkulierbares Risiko stürzen will, wie dies beispielsweise bei Kryptowährungen wie Bitcoin derzeit oftmals geschieht, sollte man sich im Vorhinein mit möglichen Szenarien vertraut machen, die Handlungsnotwendigkeiten in der Anlagepolitik entstehen lassen. Viele Anleger, auch Profis sind da nicht ausgenommen, reagieren dann panisch oder unkontrolliert emotional. Der leider zu früh verstorbene Altmeister Andree Kostolany hat einmal davon gesprochen, dass dann das Geld von den „schwachen Händen“ zu den „starken Händen“ wandert. Eigentlich hat er von Aktien gesprochen, aber das gilt für alle möglichen Assets. Schwache Hände sind solche, die nicht warten wollen oder auch nicht können. Für starke Hände gilt das Gegenteil. Nachdem auch viele institutionelle Investoren unter hohem Performancedruck stehen, kann man ruhig behaupten, dass diese sich mehrheitlich in ihrem Verhalten nicht von privaten Anlegern unterscheiden.

Gerade weil derzeit ein derartiger Hype um Kryptowährungen wie Bitcoin (eine vergleichsweise sehr kleine Assetklasse) besteht, darf man sich die Sinne nicht vernebeln lassen. Anders als in klassischen Assetklassen genügen hier bereits erwartbare Ereignisse, um große Kursschwankungen und auch Einbrüche auszulösen. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass vor allem auch Steuerthemen neben der zunehmenden Regulierung nicht vernächlässigt werden dürfen. Zuletzt zeigt sich, dass die chinesische Regierung massiv regulatorisch eingegriffen hat bzw. noch weiter eingreifen wird. Sowohl die „Schürfer“ sollen zurückgedrängt werden, als auch der Handel massiv beschränkt werden. Diese Ereignisse kommen nicht aus dem Nichts, sie waren zu erwarten. Dennoch wurden viele Menschen auf dem falschen Fuß erwischt.

Risikomanagement heißt, nicht blind darauf zu warten, dass alles gut geht

Augen zu und durch! Damit genau das nicht passiert, ist effektives Risikomanagement auch für Private unabdingbar. Das bedeutet nicht, dass Risiken vermieden werden sollen. Wer das will, der muss auf Rendite und damit auf die Anwendung des gesunden Menschenverstandes verzichten. Es bedeutet, dass Risiken (denen auch adäquate Chancen gegenüberstehen müssen) kalkuliert eingegangen werden und dass man vor allem nicht unkontrolliert handelt, wenn sich kursseitig extreme Schwankungen abzeichnen. Sinnvolles Risikomanagement bedeutet bewusster Umgang mit Risiken, nicht generelle Risikovermeidung!

Risikomanagementprozesse sind vor allem im Bereich professioneller Investoren weit entwickelt und teils von den Aufsichtsbehörden vorgegeben. Wer glaubt, dass dadurch der Eintritt von individuellen Risiken oder sogar von Systemrisiken verhindert werden kann, glaubt an den Weihnachtsmann und hat aus der Geschichte nichts gelernt. Ich werde daher an dieser Stelle keinen umfassenden Risikomanagementprozess darstellen, sondern einige allgemeine Anmerkungen und praktische Tipps geben, wie auch aus Sicht eines privaten Anlegers oder eines Unternehmens schwerwiegende Fehler vermieden werden können.

Risikomanagement bedeutet, Visionen von der Zukunft zu entwickeln

Wer keine Vorstellung von möglichen sehr unterschiedlichen zukünftigen Entwicklungen hat, sollte sein Geld besser für ein schönes Leben im hier und jetzt ausgeben. Denn Prognosen sind bekanntlich schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Es geht beim Risikomanagement vor allem darum, sich verschiedene Szenarien vorzustellen, darunter sowohl erwartete Szenarien als auch unerwartete, nicht unbedingt um Prognosen. Und sich dann zu überlegen, welche Auswirkungen diese auf meine Anlageerwartungen haben könnten. Zwei Beispiele möchte ich geben. Träumen ist nicht nur erlaubt, sondern gefordert!

Erwartet werden beispielsweise langfristig niedrige Zinsen. Was ist aber, wenn trotz Geldschwemme hohe politische Risiken auftreten, die die Vergabe von Geld plötzlich ins Stocken bringen? Wenn niemand sich mehr darauf verlassen kann, dass das Gegenüber auch morgen noch bezahlen kann? Das war so während der letzten Finanzkrise 2008/2009. Dann schießen die Risikoaufschläge so in die Höhe, dass die Zinsen trotzdem steigen. Welche Risiken könnten das sein? Pandemien, Nuklearkatastrophen, politische Erdbeben, eine neue Finanzkrise oder militärische Auseinandersetzungen beispielsweise. Was passiert, wenn die realen Zinsen plötzlich sprunghaft ansteigen? Wie lange halte ich das als Anleger aus, wenn ich eine Immobilie mit einem variabel verzinsten Kredit gekauft habe?

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Was bedeutet es, wenn der Freihandel plötzlich zum Erliegen kommt, weil beispielsweise ausgehend von den USA massive protektionistische Maßnahmen global und in breitem Maßstab als Vergeltungsmaßnahmen einsetzen? Killt das die Konjunktur und Unternehmen erleiden plötzlich massive Verluste? Gibt es Aktien, die davon profitieren und solche, die darunter leiden? Ist mein Depot so ausbalanciert, dass ich zuwarten kann? Brauche ich vielleicht die Liquidität? Oder wird sich die Krise bei einem anderen Präsidenten in den USA samt fundamentalem Kurswechsel vielleicht schnell auswachsen und in Jubelstimmung umkehren?   

Einheitliche Risikomaßstäbe über alle Veranlagungen erleichtern den Durchblick

Menschen neigen dazu, sich Modelle zu zimmern, die ihre Erwartungshaltungen widerspiegeln. Dies verleitet dazu, Anleihen mit einer anderen Brille zu betrachten wie Aktien, selbst bewohnte Immobilien in ihrer Risikobetrachtung anders zu behandeln als vermietete Geschäftsflächen und Rohstoffe (dazu gehören auch Edelmetalle wie Gold) wiederum gänzlich anderen Maßstäben zu unterwerfen als Währungen. Dies aber bewirkt, dass man Effekte, die sich auf eine Assetklasse positiv auswirken und auf eine andere negativ, nicht in ihrem Nettoeffekt berücksichtigt. Daher ist es wichtig, gleichsam auf alle Assetklassen einheitlich „durchzublicken“.

Natürlich bedeutet das nicht, dass assetspezifische Risiken nicht gesondert beobachtet werden sollten. Aber es kann durchaus Sinn machen, an einer Kombination von Assets festzuhalten, wenn auch ein mögliches Ereignis auf ein einzelnes Asset eine negative und auf ein anderes Asset eine positive Auswirkung hat. Man spricht in diesem Zusammenhang vom sogenannten „Portfolioeffekt“. Die folgende Graphik soll diesen Effekt illustrieren.

Grafik: Die Effizienzgrenze markiert den „goldenen Mittelweg“ der Portfoliogestaltung: Höchste Rendite bei geringstem Risiko im gegebenen Rahmen. Quelle: Finanzgeschäft der Banken. Portfoliomanagement 2/2 von Max Lüscher Marty. Compendio Bildungsmedien Verlag.

Üblicherweise wird das Risiko einer Veranlagung anhand seiner „Volatilität“ gemessen. Je stärker der Kurs einer Aktie schwankt, desto höher ist das Risiko. Diese Volatilität wird anhand einer statistischen Kennzahl, der Standardabweichung gemessen. Indem man die Standardabweichung als Maßzahl für das Risiko nimmt und diese der Rendite gegenüberstellt, lässt sich eine Kurve zeichnen und in der oben dargestellten zweidimensionalen Graphik abbilden. So lässt sich ermitteln, welche Portfoliozusammensetzung entweder die höchste Rendite, das geringste Risiko oder die „beste“ Rendite bei relativ dazu geringstem Risiko aufweist.

Die soeben dargestellte Logik prägt heute viele Formen sowohl der privaten Vermögensverwaltung als auch des institutionellen Asset Management. Sie zeigt deutlich, dass die sogenannte Portfoliodiversifikation Vorteile bei der Veranlagung bringt. Investoren tragen dem auch regelmäßig Rechnung. Umgangssprachlich ist diese alte Börsenregel allgemein bekannt: „Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen“. Wer all sein Geld auf eine Anlage konzentriert, der kann leicht Schiffbruch erleiden.

Das aktuelle Investmentumfeld ist entscheidend

Anleger unterstellen in der Regel „normale Verhältnisse“. Dazu werden Vergleiche mit der Vergangenheit angestellt. Diese Annahmen gehen von „durchschnittlichen“ Entwicklungen aus, vernachlässigen aber oft die Besonderheiten der aktuellen Situation. Wenn aber wie derzeit die Welt in Unordnung ist und Märkte aufgrund der Politik der Notenbanken massiv manipuliert sind, greifen solche Analogien zu kurz. Wenn auch manche Bewertungsniveaus derzeit historisch betrachtet hoch erscheinen mögen, so muss man sich dennoch vor Augen halten, dass zinsmäßig eine ziemlich einmalige Situation vorherrscht. Oftmals ist es auch so, dass einzelne Assets sich besonderer Beliebtheit erfreuen, da sie gerade in Mode befindliche Themen adressieren wie beispielsweise Digitalisierung. Zumeist ist auch schwer abschätzbar, wie lange ein Trend anhalten wird. Das kann länger sein, als man glaubt. Dies kann auch zu einer langanhaltenden Verzerrung scheinbar „natürlicher“ Preisniveaus führen.

Selten gelingt es, Trendbrüche rechtzeitig zu erkennen und damit das richtige Timing für einen Schwenk in der eigenen Anlagepolitik zu finden. Umso wichtiger ist es, eigene Risikolimits zu definieren, die man einzugehen bereit ist. Wer der öffentlichen Diskussion und den Anlageempfehlungen von Experten folgt, wird meist nicht klüger, als er zuvor war. Einerseits sind Empfehlungen oft interessengeleitet, andererseits nützt es nichts, wenn auch von staatlichen Institutionen bereits seit Jahren vor Blasenbildungen im Aktien- oder Immobilienmarkt gewarnt wird, diese sich aber nicht in einem Absturz niedergeschlagen haben. Man kann auch Chancen verpassen. Risikomanagement heißt, Chancen und Risiken gleichzeitig zu beobachten. Und dafür ist das aktuelle Marktumfeld ganz entscheidend, allgemeine Weisheiten und der neunmalkluge Zeigefinger von professionellen Bedenkenträgern helfen hier wenig.

Risikomanagement bedeutet, vorsorglich Fragen zu stellen

Es nützt nichts, nur Risiken zu quantifizieren. Die meisten Risikomanagementsysteme, vor allem die computergestützten quantitativen Systeme sind selten ausreichend, oft nicht einmal sinnvoll. Sie verstärken Risiken oftmals, da sie den Mainstream der vorherrschenden Meinung abbilden und damit Risiken sogar verstärken. Wenn alle gleich denken und im selben Moment den Ausgang suchen, dann ist dieser schnell verstopft. Wichtiger ist es, sich die richtigen Fragen zu stellen, wie beispielsweise:

  • Welche unerwarteten Situationen könnten eintreten?
  • Wie muss ich meine Veranlagungen verändern, wenn derartige Situationen eintreten und kann ich vielleicht über einen geeigneten Portfoliomix dem schon vorgreifen?
  • Liege ich mit meinen Grundannahmen richtig oder muss ich sie verändern?
  • Wann und wie reagiere ich, wenn sich Chancen oder Risiken verändern?
  • Wie hoch ist meine Risikotoleranz?
  • Wie lange reicht mein Atem?

Entscheidend ist, dass man nicht impulsiv und gemäß dem allgemeinen Herdentrieb reagiert. Nur wer sich im Vorhinein mit derartigen Fragen befasst, ist auch mental in der Lage, überlegt und kontrolliert zu handeln. Risikomanagement ist damit eine unabdingbare Notwendigkeit und kein „Liebestöter“. Es lässt nicht nur ruhiger schlafen, es lässt auch neue Chancen besser erkennen. Und vor allem: hören Sie nicht auf Zurufe, bilden sie sich eine eigene Meinung. Dann sind sie nämlich auch selbst dafür verantwortlich, wenn sie Erfolge einfahren. Und niemand anderer trägt die Schuld, wenn etwas danebengeht. Ein gesundes Selbstvertrauen ist sowohl beim Veranlagen als auch beim Spekulieren unumgänglich.

Wenn sie mehr über Wertsteigerung im Niedrigzinsumfeld lesen wollen, dann fordern Sie mein Whitepaper zu diesem Thema an. Ich artikuliere dort auch meine Erwartungen und spreche über die wirtschaftlichen Implikationen der Nullzinspolitik sowie deren Auswirkungen auf verschiedene Assetklassen.

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