Anleihen für KMU bieten vielfältige Chancen. Sowohl für Emittenten, als auch für Anleger.

KMU können bankenunabhängig werden, wenn sie sich mit Anleihen finanzieren

Da Bankfinanzierungen für KMU regulierungsbedingt immer unattraktiver werden, gewinnen auf der Fremdkapitalseite Anleihen an Bedeutung. Sie sichern Bankenunabhängigkeit, schaffen klare Spielregeln und adressieren je nach Wertpapiertyp unterschiedliche Anleger. Diese profitieren im Gegenzug von attraktiven Renditen, die sie bei originären Bankprodukten bei vergleichbaren Risiken nicht erzielen.

Die Möglichkeit laufender Emissionen schaffen aber auch eine besondere Beziehung zwischen Emittenten und Anlegern. Während Banken zunehmend unberechenbar agieren, wenn sich ihre Strategie ändert, funktioniert der Kapitalmarkt weiterhin nach klar definierten Regeln. Dies ist dem Mittelstand jene Überrendite wert, die Investoren einstreichen können.

Der richtige Typ von Anleihe muss ausgewählt werden. Oftmals keine triviale Aufgabe.

Das Wertpapier muss sowohl den Bedürfnissen des Emittenten als auch jenen des Investors entsprechen. In der Folge vergleiche ich „traditionelle börsennotierte Unternehmensanleihen“ mit Nordic Bonds und klassische Mittelstandsanleihen. Schließlich gehe ich noch kurz auf Nachranganleihen und Sonderformen ein.

Traditionelle börsennotierte Unternehmensanleihen – der Klassiker.

Mit „traditionellen börsennotierten Unternehmensanleihen“ sind hier Corporate Bonds gemeint, die typischerweise unter einem öffentlichen Prospekt- und Listing-Regime emittiert und an einem geregelten Markt oder einem börslichen Segment gehandelt werden.

Im Unterschied zu Nordic Bonds und Mittelstandsanleihen sind diese traditionellen Unternehmensanleihen meist stärker durch formalisierte Prospekt-, Listing- und Marktstandards geprägt. Der Markt ist häufig breiter, liquider und stärker auf standardisierte internationale Platzierungsprozesse ausgerichtet.

Vorteile sind vor allem ein etablierter Marktstandard, potenziell größere Emissionsvolumina, breitere Investorenansprache, höhere Sichtbarkeit am Kapitalmarkt und oft bessere Sekundärmarktfähigkeit als bei kleineren Spezialsegmenten. Für Emittenten mit regelmäßigem Kapitalmarktauftritt kann das die Refinanzierung planbarer machen.

Nachteile sind der regelmäßig höhere Vorbereitungs- und Dokumentationsaufwand, strengere Transparenz- und Zulassungsanforderungen, höhere Transaktionskosten sowie ein im Marktumfeld teils deutlicher Spread- und Zinsdruck. Bei nicht benchmarkfähigen Emittenten kann die Handelbarkeit trotz Börsennotiz begrenzt bleiben.

Fazit für „traditionellen börsennotierten Unternehmensanleihen“: Diese Anleihen eignen sich besonders für Emittenten, die einen standardisierten, sichtbaren und potenziell großvolumigen Kapitalmarktzugang suchen.

Nordic Bonds: Eine Anleihe, die im Mittelstand an Popularität gewinnt.

Nordic Bonds sind eine spezielle Form von Unternehmensanleihen, die ursprünglich aus Skandinavien stammen und sich durch hohe Standards, Transparenz und oft norwegisches Recht auszeichnen. Sie gelten als flexibles Finanzierungsinstrument für KMU und sind, trotz ihres Ursprungs, zunehmend auch in Deutschland als Alternative zu traditionellen Mittelstandsanleihen beliebt. Häufig werden Nordic Bonds von institutionellen Investoren gehalten, was ein professionelleres Handling als bei deutschen Mittelstandsanleihen ermöglicht.

Dieser Anleihentyp bietet einen vergleichsweise schnellen und standardisierten Kapitalmarktzugang für mittelständische Emittenten. Es existiert ein etablierter institutioneller Markt mit High-Yield- und Investment-Grade-Segmenten. Oft bieten sie eine bondholder-freundlichere Dokumentation, z.B. Covenants, Sicherheiten als deutsche Mittelstandsanleihen und auch ein Trustee-/Agentenmodell (siehe unten).

Häufig verfügen Nordic Bonds über eine einfachere Emissionsdokumentation, bei Platzierungen an professionelle Investoren oft ohne formalen Prospekt vor Emission. Im Nordic High-Yield-Segment überdurchschnittlich oft Maintenance Covenants, Besicherung und Trustee-basierte Strukturen. Typisch sind eher kurze bis mittlere Laufzeiten von rund 3 bis 5 Jahren. Oft werden diese Anleihen daher aufgrund des höheren Refinanzierungsdrucks revolvierend emittiert.

Tendenziell ist die Rendite bei Nordic Bonds eher höher – aber nicht dramatisch höher – als bei deutschen Mittelstandsanleihen. Der sauberere Vergleich stellt nicht auf den Kupon, sondern auf die Effektivrendite ab, weil viele Nordic Bonds variabel verzinst sind und sich ihre All-in-Verzinsung daher besser über Rendite/Spread als über den Nominalkupon vergleichen lässt.

Beim Trustee-/Agentenmodell werden die Rechte und die laufende Betreuung der Bondholder in Nordic-Bond-Emissionen bei einer unabhängigen Stelle gebündelt. Dadurch müssen einzelne Investoren nicht jeweils selbst gegen den Emittenten vorgehen. Der Trustee/Agent ist die zentrale Schnittstelle zwischen Emittent und Bondholdern, er repräsentiert sie kollektiv. Das macht Nordic Bonds standardisierter, effizienter und im Problemfall handlungsfähiger.

Als typisches Beispiel für einen deutschen Emittenten von Nordic Bonds mag die Hörmann Industries GmbH, ein 100% Familienunternehmen, dienen. Die emittierten Nordic Bonds werden nach norwegischem Recht begeben, notieren in Euro im Freiverkehr der Frankfurter Börse. Das Unternehmen begibt laufend derartige Anleihen.

Fazit für Nordic Bonds: Sie sind vor allem dann attraktiv, wenn Tempo, institutioneller Marktzugang und strukturierte Dokumentation wichtiger sind als die niedrigsten Finanzierungskosten. Sie unterscheiden sich von vielen klassischen Mittelstandsanleihen vor allem durch mehr Marktstandardisierung, stärkere Gläubigerschutzmechanik und eine institutionellere Investorenbasis. Nachteile sind vor allem etwas höhere Kosten für den Emittenten, geringere Liquidität und höherer Refinanzierungsdruck.

Deutsche Mittelstandsanleihen: Einfache Emission, attraktive Renditen für Anleger.

Klassische deutsche Mittelstandsanleihen sind Unternehmensanleihen kleinerer und mittlerer Emittenten, die typischerweise in Deutschland öffentlich mit EU-Prospekt angeboten und über Börsensegmente wie Scale bzw. allgemein über den Freiverkehr oder den regulierten Markt handelbar gemacht werden. Häufig wird dieser Anleihetyp von Retail-Anlegern gehalten, da sie verglichen mit traditionellen börsennotierten Anleihen attraktivere Renditen bieten.

Für mittelständische Emittenten bieten deutsche Mittelstandsanleihen einen zusätzlichen Finanzierungskanal neben Bankkredit und Private Debt. Attraktiv ist insbesondere die Möglichkeit, die Investorenbasis zu verbreitern, die öffentliche Sichtbarkeit zu erhöhen und Laufzeit sowie Kupon individuell zu strukturieren.

Der EU-Prospekt basiert auf der EU-Prospektverordnung (EU 2017/1129), die seit 2019 das Ziel verfolgt, KMU den Zugang zum Kapitalmarkt zu erleichtern. Er zeichnet sich durch erleichterte inhaltliche Anforderungen, eine effizientere Prüfungsmöglichkeit und die Möglichkeit aus, spezielle Prospektformate zu nutzen.

Die Nachteile dieses Anleihetyps sollten jedoch auch nicht unterschätzt werden. Für kleinere Emittenten ist die Sekundärmarktliquidität oft begrenzt. Der öffentliche Markt erhöht die Transparenz- und Kommunikationspflichten. Restrukturierungen via Gläubigerbeschluss können aufgrund der Vielzahl an Gläubigern oft komplex werden.

Fazit für deutsche Mittelstandsanleihen: Klassische deutsche Mittelstandsanleihen sind besonders dann attraktiv, wenn ein Unternehmen Sichtbarkeit, Investorenbreite und bankenunabhängigeres Fremdkapital sucht. Gegenüber Nordic Bonds wirken sie häufig stärker öffentlichkeits- und prospektorientiert, während Nordic Bonds meist institutioneller und transaktionsseitig flexibler sind. Die Kehrseite deutscher Mittelstandsanleihen sind vor allem höhere Finanzierungskosten, mögliche Liquiditätsabschläge im Sekundärmarkt und ein spürbares Refinanzierungsrisiko zum Laufzeitende. Gegenüber Nordic Bonds wirken sie häufig stärker öffentlichkeits- und prospektorientiert, während Nordic Bonds meist institutioneller und transaktionsseitig flexibler sind.

Nachranganleihen und einige Sonderformen – ein Kurzresümee.

Nachranganleihen: Diese stellen Mezzaninkapital dar und beinhalten naturgemäß ein höheres Risiko, das sich regelmäßig renditemäßig widerspiegelt.

Wandelanleihen: Das sind hybride Finanzinstrumente, die Eigenschaften von Anleihen und Aktien verbinden, indem sie regelmäßige Zinszahlungen mit einem Umtauschrecht in Aktien verbinden.

Optionsanleihen: Diese verbinden die klassische Anleihe mit einem zusätzlichen Recht, Aktien zu einem zuvor festgelegten Wert zu verbinden.

Green-Bonds: Dabei handelt es sich um „Themenanleihen“, die in jeder denkbaren rechtlichen Form von allen möglichen Emittenten ausgegeben werden.

Zertifikate: Das sind Schuldverschreibungen, die Derivatcharakter haben und an die Entwicklung eines Basiswerts (Index, Aktien, Rohstoffe etc.) gekoppelt sind.

CoCo-Bonds: „Contingent Convertible Bonds“ sind spekulative, nachrangige Wandelanleihen von Banken, die bei Unterschreiten bestimmter Eigenkapitalquoten automatisch in Eigenkapital umgewandelt oder abgeschrieben werden.

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