Bitcoin oder die magische Anziehungskraft esoterischer Spekulation

Bitcoin ist esoterischer Cybersex. Eine Währung ist es nicht. Spekulieren ist perfekt möglich, als Kapitalanlage eignet sich Bitcoin weniger. Bitcoin wirkt auch wie eine virtuelle Steueroase. Es ist aber das bessere Panama, denn man kann damit auch anonym Geld verbergen, ohne komplexe Steuerkonstruktionen mit der Gefahr von Datenleaks zu riskieren.

Rund um Bitcoin ist ein Hype entstanden, der in wilden Spekulationsexzessen immer mehr an Fahrt gewinnt. Seit Jahresbeginn ist der Preis der Cyberwährung bis Ende November 2017 um unglaubliche 1000 Prozent nach oben geschossen. Auch danach ist er noch beträchtlich gestiegen. In der Woche vor Weihnachten erreichte er die Marke von USD 20.000.  Zu tun hat dies auch mit der Verzweiflung vieler Anleger, die in der derzeitigen nachhaltigen Niedrigzinsphase angemessene Renditen suchen oder zumindest einen Werteverzehr durch negative Realzinsen vermeiden wollen.

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Befeuert wird das durch eine zunehmende Schar an Geschäftemachern, die in altbewährter Manier das mangelnde Verständnis von Anlegern für den Charakter dieses Hypes ausnutzen. Dabei machen sie es sich auch zunutze, dass die Vermengung von Zukunftstechnologien wie Blockchain und eine verständliche Ablehnung des staatlichen Zugriffs auf unsere Bankkonten und unser Geldwesen einhergeht mit dem Rausch des Anonymen. Versprochen wird, dass Bitcoin völlig anonymes Handeln ermöglicht. Bitcoin zog daher von Anfang an auch die organisierte Kriminalität an, da Geldwäsche im Anonymen geradezu paradiesisch einfach ist. Aber auch zwielichtige kommerzielle Aktivitäten normaler Bürger finden über die Kryptowährung einen neuen Handlungsrahmen. Bitcoin verhält sich im Vergleich zu anderen Bezahlsystemen wie Cybersex zu gewöhnlichen menschlichen Kontakten. Im Verborgenen spielt sich vieles ab, was ansonsten keine Akzeptanz finden würde. Das Lieblingshobby vieler Menschen ist Steuersparen. Wo sollte das besser möglich sein als in der Anonymität des Internet mittels eines unregulierten Instruments. Man braucht keine Treuhänder, es droht keine Offenlegung von Konten, die Welt ist steuerlich sogar noch “besser” als sie vor 20 Jahren war.

Animal Spirits befeuern den Hype

Als Spekulationsobjekt weckt Bitcoin “Animal Spirits”. Rationale Überlegungen helfen wenig, um das Phänomen zu erklären. Der Begriff “Animal Spirits” stammt ursprünglich von John Maynard Keynes. “Animal Spirits” haben George A. Akerlof und Robert J. Schiller, zwei Wirtschaftsnobelpreisträger, zum Titel ihres bekannten Bestsellers gemacht. Sie erklären darin, wie unreflektierte Instinkte, Emotionen und Herdenverhalten die Finanzmärkte beeinflussen. Die aktuelle Kursentwicklung von Bitcoin lässt sich meiner Meinung nach am besten mit den Instrumenten der Verhaltensökonomik, in diesem Fall der Teildisziplin “Behavioral Finance” erklären.

Die Legenden um Bitcoin sind in ihrer Kombination deshalb schwer zu entschlüsseln, da die Einzelfragen wie Blockchain, Währung, Transaktionssicherheit und Transparenz sowie Inflationsschutz und der Vergleich mit Gold nicht einfach in ihrer Zusammenschau zu verstehen sind. Was man sich als Mensch aber nicht rational erklären kann, das versucht man auf einem inneren, vielleicht auch beinahe spirituellem Erkenntnisweg zu ergründen. Mystik ist die positive Formulierung dieser Geisteshaltung. Die aber, die “Geheimlehren” über Bitcoin in teils verheißungsvollen, teils verschwörerischer Form von sich geben, haben oftmals selbst nicht rational verstanden, wovon sie sprechen. Viele Aktivisten für Kryptowährungen sind entweder esoterische Überzeugungstäter oder geldgierige Sektierer, die sich einen Markt schaffen. Es ist der Hauch des Esoterischen, der Bitcoin umgibt. Und die Gier, die in der menschlichen DNA offenbar tief verwurzelt ist. Bitcoin gibt es seit acht Jahren. Es musste noch keiner Finanzkrise standhalten. Niemand ist letztlich verantwortlich dafür, wenn das System schlussendlich kippt. Der Kurs ist ausschließlich von Angebot und Nachfrage bestimmt. Fällt die Nachfrage aus, kann der Wert auf Null sinken und niemand trägt dafür Verantwortung. Daher haben die Profiteure des Hypes auch leichtes Spiel. Solange Sie nicht selbst investieren, können sie praktisch nur gewinnen. Im Gold Rush waren es die Erzeuger und Händler von Schaufeln und sonstigem Werkzeug, die gewonnen haben. Nur wenige Goldsucher wurden reich.

Wie sind nun die Fakten zu bewerten?

Sollen Geschäfte über Bitcoin abgewickelt werden, so muss zumindest einer der Geschäftspartner seine Anonymität teilweise aufgeben. Damit kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass Behörden aufgrund der Protokollierung von Transaktionen und dem Zugriff auf Internetverbindungsdaten, Postsendungen, Browserprofilen etc. den dahinterstehenden Transaktionspartner erforschen können. Allerdings stehen im Darknet Dienste wie beispielsweise “Helix” bereit, die dazu dienen sollen, “schmutzige” Bitcoin in unverfolgbare Bitcoin zu verwandeln. Wie lange all dies schützen kann, kann niemand sagen. Niemand hätte vor zwanzig Jahren gedacht, dass Steuer-CDs auftauchen und vorbei war es plötzlich mit der Sicherheit und Anonymität.

Nicht nur Bitcoin oder sonstige sogenannte “Kryptowährungen” erfüllen die für Währungen weithin unbestrittenen Definitionsmerkmale nicht. Auch Gold oder andere Vermögenswerte mögen manchmal umgangssprachlich als (Ersatz-)”Währungen” bezeichnet werden, alleine sie sind es nicht. Gold ist eine “Assetklasse“, in der veranlagt werden kann. Gold kann auch jederzeit gehandelt werden, soweit nicht in Ausnahmesituationen Handelsbeschränkungen in Kraft gesetzt werden, wie es beispielsweise in Kriegszeiten bereits der Fall war. Gold hat sich über Jahrtausende als Wertaufbewahrungsmittel und Anlageinstrument bewährt.

Währung im eigentlichen Sinn war Gold nie, allerdings gab es in der Vergangenheit goldgedeckte Währungen. Der Goldstandard hat sich allerdings nicht bewährt, da die in Umlauf befindliche Menge nicht Schritt halten konnte mit der realen Wirtschaftsentwicklung und das zu deflationären Effekten führte. Diesbezüglich kann man aber auch durchaus anderer Meinung sein, wie es libertäre Gegner von „Fiatgeld“, des Hassobjektes aus dem “Papiergeldzeitalter” auch sind. Ich teile zwar ihre Meinung nicht, kann sie aber zumindest nachvollziehen. Bei “Kryptowährungen” kann man das nicht seriös nachvollziehen.

Adi Schamir, ein öffentlichkeitsscheuer Star der Kryptografenszene hat vor 30 Jahren einige der Grundlagen für die heutigen digitalen Währungen mitentwickelt. Er hielt am 5.9.2017 an der Universität Wien einen Vortrag. Dabei meinte er, dass zwei bis drei chinesische “Schürfer” Bitcoin zerstören könnten. Während diese aber kein wirtschaftliches Interesse daran haben dürften, wäre es hingegen durchaus vorstellbar, dass einmal eine Regierung ein Drittel der Schürfkapazität aufbauen und dann sehr wohl ein Interesse an der Zerstörung von Bitcoin entwickeln kann. Während man früher dachte, dass eine Absprache unter 51% der Bitcoin-Schürfer ausreicht, um das System manipulieren oder zerstören zu können, so zeigen neue Berechnungen, dass dafür schon 33% genügen, wahrscheinlich auch nur 25%. Schamir weist auch auf folgendes hin: Wer sich bei Bitcointransaktionen betrogen fühlt, kann sich bei niemandem beschweren. Treten Eingabefehler bei einer Transaktion auf, dann sind diese nicht korrigierbar. Die endgültige Bestätigung einer Transaktion kann bis zu einer Stunde dauern.

Eine wesentliche Funktion einer Währung ist die der Wertaufbewahrung. Dies setzt eine gewisse Stabilität voraus. Was hingegen raketenartig im Kurs steigt, kann erfahrungsgemäß auch im selben Ausmaß fallen. Plötzliche Einbrüche um 20% waren bereits zu verzeichnen, konnten dann aber wieder schnell aufgeholt werden. Dennoch steht die Unkalkulierbarkeit einer Kursentwicklung der Funktion der Wertaufbewahrung entgegen. Bitcoin eignet sich allenfalls für Spekulationen mit eher kurzfristigem Horizont. Dies ist allerdings etwas ganz anderes als Wertaufbewahrung.

Die Funktion als Zahlungsmittel kann Bitcoin aufgrund der geringen Kapazität der möglichen Transaktionen nicht zufriedenstellend erfüllen. Da die Software hoffnungslos überlastet ist, dauert ein Zahlungsvorgang immer länger, mitunter auch mehrere Tage. Eine Beschleunigung ist nur gegen Entrichtung höherer Gebühren möglich. Das mag Geldwäscher nicht stören, für normale Konsumenten eignet sich Bitcoin kaum als Zahlungsmittel.

Die hohe Volatilität von Bitcoin prädestiniert die Kryptowährung als hochriskantes Medium für Spekulationen. Ich sage deshalb „Medium“, weil es einen Unterschied macht, ob direkt in die Kryptowährung oder in ein auf der Kryptowährung aufbauendes Instrument investiert wird. Darüber werden Sie noch weiter unten lesen.

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Die Blase hat sich bereits mächtig aufgebaut

Wie sehr sich die Blase innerhalb eines Jahres per Ende November 2017 bereits aufgebaut hat, lässt sich anhand eines Schaubildes trefflich demonstrieren. Die Graphik zeigt die Entwicklung des Wechselkurses von Bitcoin, gemessen am US-Dollar.

Graphik Wechselkurs US-Dollar je Bitcoin
Quelle: www.finanzen.net/devisen/bitcoin-dollar/chart

Diese Entwicklung lässt wohl keinen anderen Schluss zu, als dass eine Hybris vorliegt. An den Fundamentaldaten hat sich nichts entscheidend geändert. Weder eine Währung noch eine Assetklasse hat sich derart entwickelt. Mit kurzen Ausreißern ist der Kurs exponentiell (!) nach oben gestiegen. Und mit dem Kurs hat natürlich auch die Marktkapitalisierung rasant zugelegt.

Im Dezember 2017 hat sich Bitcoin verändert – Spekulation wird sinnvoll möglich

Mittlerweile wurde an der Chicago Mercantile Exchange, der größten Derivatebörse der Welt, der Handel mit Futures auf Bitcoin gestartet. Dies ermöglicht erstmals auch institutionellen Playern, Produkte rund um Bitcoin in ihr geschäftliches Repertoire aufzunehmen. Ab diesem Zeitpunkt eignet sich Bitcoin auch durchaus für Spekuationen. Denn dann kann man sowohl auf einen Anstieg als auch auf ein Fallen der Kryptowährung auf einer großen und damit liquiden Plattform spekulieren.

Diese Spekulation ist sehr riskant, bietet aber auch große Chancen. Entgegen dem allgemeinen Sprachgebrauch ist Spekulation nichts grundsätzlich Schlechtes. Damit es aber kein Vabanque-Spiel wird, braucht es dafür vernünftige institutionelle Voraussetzungen. Diese sind nun geschaffen, weshalb eine geordnete Spekulation möglich wird. Bitcoin mag sich bisher zwar nicht als Anlage, als Währung oder als Zahlungsmittel geeignet haben, als Spekulationsobjekt eignet sich Bitcoin allemal. Dafür gibt es zahlreiche Instrumente und Strategien, die den Rahmen dieses Blogpost sprengen würden.

Ich habe diese Instrumente und Strategien erst vor wenigen Tagen in einem Whitepaper dargestellt, das Sie gerne anfordern können. Darin wird auch dargestellt, wie Bitcoin grundsätzlich zu bewerten ist, was es in diesem Zusammenhang mit der Blockchaintechnologie auf sich hat und wie das derzeit wichtigste aktuelle Geschäftsmodell, nämlich das des “Miners” aussieht. Der Miner produziert Bitcoin und stellt damit die zentrale Drehscheibe rund um die Kryptowährung dar. Man kann Bitcoin nicht verstehen, ohne die kommerziellen Hintergründe seiner Proponenten verstanden zu haben.

Wie Banken und Staaten auf Bitcoin reagieren und was diesbezüglich zu erwarten ist, stelle ich ebenfalls im aktuellen Whitepaper dar. Bestellen Sie es hier jetzt kostenlos!

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2 Kommentare, seien Sie der Nächste!

  1. Einige Dinge sind gut recherchiert, aber das Scheitern des Goldstandards mit einer erhöhten Wirtschaftsleistung zu erklären halte ich für sehr gewagt.
    Wer Bitcoin Futures empfiehlt und Kryptowährungen und Bitcoin in den selben Topf wirft hat den Sinn hinter dieser disruptiven Technologie nicht verstanden. Treuhänder und Steuerzahler gibt es auch in der digitalen Kryptowelt.
    Hype oder Hybris: Die Gier ist doch heutzutage ein generelles Problem. Umso besser, wenn Geldwäscher die Scheinanonymität hinter BTC nicht verstehen. Wo ist denn wirklich die Hybris?
    SAP, #1 bzgl. Marktkapitalisierung am DAX sitzt mit in der Rüstungsindustrie. Da kann ich verstehen, dass Anleger nach friedlicheren Anlagekonzepten suchen. Die GLS Bank kann da leider auch nicht helfen.

    Das einzige Sinnvolle was ich in Ihrem Text herauslesen kann ist die Warnung an die Kleinanleger. Leider habe ich die Stichwörter Tulpe und Bubble vermisst. Gut finde ich, dass Cybersex und Esoterik in den Wirren Ihres Aufsatzes Platz gefunden haben. Ich freue mich schon auf die müden Gesichter der Institutionellen wenn die Marktkapitalisierung der KWs sich Ende 2018 ver20facht.

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