Initial Coin Offering als Weiterentwicklung von Crowdinvesting?

Initial Coin Offerings („ICOs“) sind derzeit in aller Munde. Geldbeschaffung für junge Unternehmen und Kryptofantasie für Anleger verbinden sich manchmal zu einem wilden Gemisch aus Unbedarftheit, Gier und esoterischen Erwartungshaltungen. Dabei könnten ICOs in Zukunft eine wichtige Rolle im Bereich der Unternehmensfinanzierung spielen. Worauf kommt es an?

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Crowdinvesting ist eine eher junge Finanzierungsform, die sich langsam zu einem Instrument entwickelt, das neben reinen Startups auch KMU in den Fokus nimmt. Dabei handelt es sich um eine Unterform von Crowdfunding. Crowdinvesting verbindet Finanzierung mit Marketing und wertvollem Feedback für die Gründer. Gerade für Startups stellt es eine interessante Alternative zu sonstigen Finanzierungsformen dar. Das Gründerteam kann so seine Unabhängigkeit erhalten und seine Ideen ohne fremde Mitsprache umsetzen. Ich habe Crowdinvesting vor Kurzem in einem eigenen Blog-Artikel beschrieben. Seit Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum einen regelrechten Hype erlebt haben, hat nun ein neues Finanzierungsinstrumtent von sich Reden gemacht, das sogenannte „Initial Coin Offering“, kurz „ICO“ genannt. Dabei gibt ein Unternehmen sogenannte „Token“ aus und sammelt dafür Geld ein, zumeist in Form einer anderen Kryptowährung. Das Geschäftsmodell des emittierenden Unternehmens sollte sich daher rund um digitale Assets bewegen, was in der Praxis derzeit aber nicht immer der Fall ist.

Warum wurde gerade der Begriff ICO geprägt?

Nicht zufällig entstand anlässlich des Aufschwungs der Kryptowährungen der Begriff ICO (für Initial Coin Offering), der frappierend an den Begriff IPO (Initial Public Offering) erinnert. In den 1990er Jahren war Letzterer das Wunderwort, welches die New Economy permanent im Mund geführt hat. Jeder Dot-Com-Startup träumte damals von einem Börsengang, auch wenn außer einem Geschäftsplan oft nicht einmal ein Prototyp als Produkt vorlag. Es roch nach schnellem Geld. Die begriffliche Ähnlichkeit darf daher nicht verwundern. Heute umgeben Kryptowährungen und die Blockchain ähnliche Erwartungen, wie sie damals mit dem Internet verbunden wurden. Die meisten Gesellschaften und auch die meisten IPOs von damals sind gescheitert. Dennoch sind es einige wenige Unternehmen von damals und vor allem deren Geschäftsmodelle, die heute zu den wertvollsten Unternehmen der Welt zählen und die unzweifelhaft die Zukunft maßgeblich mitgestalten werden. Ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe damals selbst die Managementgesellschaft eines Venture-Capital-Fonds mitbegründet, die sich „IPO“ nannte! Während bei einem ICO Token emittiert werden, sind es bei einem IPO Wertpapiere. Während allerdings IPOs hoch reguliert sind, sind ICOs derzeit noch völlig unreguliert. Das wird nicht lange so bleiben.

Was ist ein Token?

Ein Token repräsentiert digitales Eigentum, er ist damit ein digitales Asset. Bitcoin ist ein Token, Ether ist ein Token. Technisch betrachtet ist ein Token ein verschlüsseltes Datenpaket, das nicht kopierbar ist.

Systematisch unterscheidet man drei Arten von Token. Erstens gibt es „Cryptocurrency Tokens“: Diese stellen ein Zahlungsmittel dar und sind am ehesten mit klassischem Geld zu vergleichen. Das klassische Beispiel für Cryptocurrency Tokens ist Bitcoin. Zweitens gibt es „Utility Tokens“: Diese vermitteln über die reine Zahlungmittelfunktion hinaus weitere Funktionen für ihre Inhaber. Beispielsweise Zugang zu speziellen Produkten oder Services, die vielleicht erst entwickelt werden müssen. Oder die Eintauschmöglichkeit gegen andere Token oder Services. Oder aber Stimmrechte für die Entscheidung über die Ausgestaltung oder Funktionalität eines noch zu entwickelten Produktes. Sie sind am ehesten mit Gutscheinen zu vergleichen. Filecoin beispielsweise ermöglicht den Zugang zu dezentralisierten Cloudspeicher-Plattformen. Drittens gibt es „Security Tokens“: Diese sind mit klassischen Finanzinstrumenten vergleichbar wie beispielsweise Eigenkapital- oder Fremdkapitalinstrumenten. Security Tokens in unserem Sinn sind am ehesten als digitale Wertpapiere vorstellbar, die über sogenannte „smart contracts“ abgewickelt werden. Je nach Art der Token, die teilweise auch in Mischformen vorkommen können („Hybrid Tokens“), ergeben sich daraus ganz unterschiedliche rechtliche und steuerliche Konsequenzen.

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Was exakt ist ein ICO?

Ein ICO ist eine Art „crowd sale“, bei dem eine Organisation ihre eigens geschaffene Kryptowährung der Öffentlichkeit zugänglich macht mit dem Motiv der Geldbeschaffung. Korrekt durchgeführt macht das alles durchaus für beide Seiten Sinn: Der Käufer erhält eine Kryptowährung, die mit einem speziellen Geschäftsmodell verknüpft ist, das ihm gefällt. Der Emittent erhält die Mittel, die er zur Weiterentwicklung des Geschäftsmodells benötigt. Würde der Emittent beispielweise Aktien emittieren, wie es bei einem klassischen IPO (Börsengang) der Fall ist, so gibt er Gesellschaftsrechte auf und verliert Einflussmöglichkeiten. Außerdem ist ein IPO aufgrund der relativ hohen Kosten erst ab einem deutlich höheren Emissionsvolumen sinnvoll, als es bei einem ICO der Fall ist. Ist das Geschäftsmodell erfolgreich, so steigt auch die Kryptowährung im Kurs (ähnlich der Steigerung von Aktienkursen) und der Investor gewinnt. Zumindest sollte das bei Security Tokens der Fall sein. Leider machen vernünftige Security Tokens nur einen kleinen Anteil der einem ICO zugrundeliegenden Kryptowährungen aus. Ich gehe daher davon aus, dass der Großteil aller emittierten Tokens auch durchaus wieder seinen gesamten Wert verlieren wird.

Seit wann gibt es ICOs, für wen kommen sie in Frage?

Der erste ICO, auch als Token Sale bekannt, war Mastercoin im Jahr 2013 mit einem erfolgreichen Fundraising in Höhe von fünf Millionen Dollar. Im Jahr 2014 folgte Ethereum mit einem erfolgreich plazierten Volumen von 18 Millionen Dollar. Die meisten ICOs erzielen freilich deutlich geringere Beträge. Ein wirklicher Boom begann im Jahr 2017, als Kryptowährungen bewertungsmäßig durch die Decke schossen. Derzeit erreichen weniger als 25% aller ICO-Projekte ihre angestrebten Ziele gegenüber 90% im Juni 2017. Nachdem die emittierten Token bislang vornehmlich von vielen privaten Anlegern erworben wurden, formieren sich nun erste ICO-Fonds, die institutionell für ihre Investoren in ICOs investieren wollen. Nachdem ICOs aber derzeit noch unreguliert sind, ist es schwierig, vernünftige Angebote von „Scam“, also „Schwindel“ zu unterscheiden. Viele Angebote würde ich derzeit schlicht als Scam bezeichnen. Nach dem Motto: „Gib mir Geld, ich gebe dir Luft“. Wenn die Emittenten die Käufer von Token nicht ernsthaft an einem späteren Erfolg beteiligen wollen und nur das schnelle Geld suchen, dann sollte man die Finger davon lassen. Ebenso dann, wenn nicht einmal das technische Handwerkszeug beherrscht wird, und die Angaben im Whitepaper nicht mit dem Programmcode der Token übereinstimmt. Für private Anleger gestaltet sich die Auswahl daher schwierig. Hilfestellung bieten diverse Websites, die ICOs im Vorfeld analysieren.

Ähnlich wie beim Crowdinvesting verbinden ICOs Finanzierung mit Marketing

Vor allem in Zusammenhang mit Utility Tokens ermöglichen ICOs auch häufig die Bildung einer Community, die das Projekt an sich im Vorhinein abtestet und voranbringt. Und nicht umsonst ist es vor allem auch Marketing, was neben der Finanzierung einen wesentlichen Teil des „Crowdinvesting über Token“ ausmacht. Auch bestehende Marken und Persönlichkeiten lassen sich perfekt für ICOs einsetzen. Zwei Beispiele gefällig? Die Hotelerbin und Celebrity Paris Hilton stand fest hinter LydianCoin, einer Plattform für ein Unternehmen, das sich mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz im Bereich Werbung und Marketing beschäftigt und einen erfolgreichen ICO hinlegte. Der Boxer Floyd Mayweather stand hinter zwei ICOs, nämlich Stox ICO und Hubii.Network.

Welche Volumina wurden zuletzt mit ICOs bewegt?

Der ICO-Markt ist im Jahr 2017 parallel zur Wertentwicklung der Kryptowährungen geradezu explodiert. In absoluten Zahlen ist das Volumen aber natürlich noch gering. Sehen Sie sich die nachfolgende Statistik an:

Quelle: https://de.statista.com/infografik/11517/volumen-von-ico-finanzierungsrunden-pro-monat, Zugriff: 21.03.2018

Wenn man bedenkt, dass man von einem Markt im embryonalen Stadium eigentlich erst seit dem zweiten Quartal 2016 sprechen kann, dann ist diese Entwicklung durchaus beeindruckend. Der Einbruch des Bewertungsniveaus von Kryptowährungen im ersten Quartal 2018 hat dem Thema aus meiner Sicht keinen wirklichen Dämpfer versetzt, da ICOs einer Vorlaufphase bedürfen und daher derart kurzfristig nicht wirklich reagiert werden kann. Die Erfolgsquote ist allerdings sicherlich gesunken und die angestrebten Bewertungsniveaus gehen zurück. Dies war allerdings zu erwarten und ist nicht ungesund.

Welche Schlussfolgerung kann man ziehen?

Zahlreiche Startups nutzen derzeit ICOs als Instrument des Crowdfunding. Die Volumina steigen ebenso wie die Zahl der ICOs. All das sieht vielversprechend aus und es ist nicht zu erwarten, dass dieses Instrument so schnell wieder verschwinden wird. In der Vergangenheit gab es diese Möglichkeit nicht. Sicherlich hat der Boom bei Kryptowährungen dazu beigetragen, diesen neuen Trend zu verstärken. Es darf aber nicht übersehen werden, dass es auch einen echten realwirtschaftlichen Bedarf für diese neue Art der Unternehmensfinanzierung gibt. Der Wildwuchs und die damit einhergehenden Verrücktheiten sind vor allem der mangelnden Regulierung und schlicht auch der Tatsache geschuldet, dass alles so neu ist. Auch im Dot-Com-Boom der 1990er Jahre hat es verrückte Geschäftsmodelle und wilde Exzesse in Zusammenhang mit Börsengängen (IPOs) gegeben. Dennoch würde heute niemand sagen, dass Google, Amazon und andere, die viele Jahre nur Verluste geschrieben haben, kein Erfolgsmodell darstellen.

Ich halte es für gut möglich, dass ICOs ein wesentlicher Teil der Kryptoökonomie der Zukunft sein werden. Wichtiger vielleicht als als Zahlungsmittel oder Wertaufbewahrungsmittel werden Kryptowährungen als Instrument der Unternehmensfinanzierung oder der Gestaltung ganzer Geschäftsmodelle sein. Smart Contracts und das Internet of Things werden die Wirtschaft verändern, so wie wir sie kennen. Gut möglich, dass ICOs bald ebenso in aller Munde sein werden, wie es IPOs in den 1990er Jahren waren (und mit Unterbrechungen auch seither). Die Blockchain wird vor allem jene Branchen massiv verändern, wo Intermediäre durch Peer-to-Peer-Systeme ersetzt werden können. Da wird kein Stein auf dem anderen bleiben.

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