Das Kreditüberwachungssystem der Banken ist engmaschig

Ich habe bereits darüber geschrieben, wie die Bonitätsbeurteilung von Banken vorgenommen wird. Ist der Kredit einmal ausbezahlt und eine laufende Geschäftsbeziehung etabliert, wird das Unternehmen laufend von der Bank im Zuge des Kreditüberwachungssystems beobachtet.

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Dadurch ist eine Bank oftmals in der Lage, eine Unternehmenskrise zu entdecken, bevor sie vom Bankkunden darüber informiert wird. Die Frühwarnsysteme der Banken sind engmaschig und darauf ausgelegt, Unternehmenskrisen rechtzeitig zu identifizieren. Bei Erkennen von Schwierigkeiten, die die Bank nicht vom Kunden selbst mitgeteilt erhält, kann eine schwere Vertrauenskrise entstehen. Dies sollte jedenfalls vermieden werden, da ein Gegensteuern und der Wiederaufbau von Vertrauen seitens des Kreditnehmers dann ungleich schwerer wird.

Eine hohe Eigenkapitalquote, gute Ertragslage, Unternehmenswachstum, angemessenes Warenlager, gute Debitorenbestände, Skontozahlung, ausreichende Liquiditätsreserven sind Zeichen einer guten Situation. Kehren sich diese Verhältnisse ins Gegenteil, schlägt der Bilanzanalytiker Alarm. Die Bilanz des Unternehmens wird standardmäßig einmal jährlich untersucht. Das Anfordern von Quartalsberichten durch die Bank oder von Zwischenabschlüssen sollte als Indiz dafür gewertet werden, dass die Kundenbeziehung unter verstärkter Beobachtung steht, da ein überdurchschnittliches Risiko seitens der Bank angenommen wird. Eine verzögerte Bilanzlegung gilt bei Banken als wichtiges Alarmsignal. Gibt es Gründe dafür, dann sollten diese auch proaktiv angesprochen werden, bevor die Bank zum wiederholten Mal die Bilanz anfordern muss.

Neben der sichtbaren Veränderung der Unternehmenszahlen ist eine veränderte Bilanzpolitik des Unternehmens in der Regel ein Warnsignal für Banken. Eine Veränderung der Bilanzpolitik kann selbstverständlich nachvollziehbare Gründe haben. Werden diese nicht kommuniziert, so führt dies naturgemäß zu Zweifeln. Das Riskmanagement der Bank hat über viele Jahre bereits unzählige negative Beispiele erlebt. Während das Denkmuster der Kundenberater tendenziell positiv ist, ist die Grundhaltung des Riskmanagements – geprägt durch ihre Aufgabenstellung und ihre täglichen Erfahrungen – eher kritisch.

Wird die Bilanzpolitik verändert, so sollte das Unternehmen im Vorhinein den Grund dafür erläutern und nicht die Bank im Dunkeln lassen oder sie sogar damit überraschen. Banken hassen nichts mehr als Überraschungen. Banken haben es schon oft erlebt, dass Unternehmen in guten Zeiten stille Reserven gebildet haben, sie sie bei Entstehen einer Krise möglichst unbemerkt wieder auflösen. Dies ist für Banken die Schattenseite des Prinzips der kaufmännischen Vorsicht (man spricht bilanztechnisch vom sogenannten “imparitätischen Realisationsprinzip“). Es führt dazu, dass sie Krisen in der Regel erst sehr spät erkennt, wenn nämlich die Aufdeckung stiller Reserven offensichtlich ist.

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Bei der Erklärung der Bilanzpolitik des Unternehmens sollte der Unternehmer davon ausgehen, dass allgemeine Argumente wie der Verweis auf Steuerspargründe wenig gelten, wenn sie nicht konkret untermauert werden. Die Standardausrede von Unternehmen für fehlende Gewinne sind steuerliche Argumente. Wenn dem wirklich so ist, dann sollte der Unternehmer dies auch konkret zeigen und quantifizieren können, sonst wird dies eher Zweifel bei der Bank auslösen.

Neben der Bilanzanalyse stellt die Kontendatenanalyse ein weiteres zentrales Instrument der Kreditüberwachung dar. Hier werden automatisiert Schwankungen im Kontenumsatz, Überziehungen, Rückstände, Mahnstände und Ähnliches erfasst. Schwankungen im Kontenumsatz, vor allem bei den Eingängen deuten darauf hin, dass der Umsatz des Unternehmens rückläufig ist oder aber der Kunde Eingänge unter Umständen zu anderen Banken umleitet. Stößt gleichzeitig die Rahmenausnutzung an ihre Grenze, dann gibt das System Alarm. Ebenso wird es genau beobachtet, wenn das Unternehmen freie Liquitdität von der kreditgebenden Bank weg auf eine Drittbank verlagert.

Auch wachsende ausserbetriebliche Aktivitäten des Unternehmers werden von der Bank eher kritisch wahrgenommen. Erhöhte Sponsoraktivitäten, die Übernahme prestigeträchtiger Funktionen in Sportvereinen mit Profiaktivität, aber auch private Aktivitäten, die aus Sicht der Bank die Fokussierung des Unternehmers auf sein Unternehmen zweifelhaft erscheinen lässt, wird in der Regel ebenso mit Skepsis wahrgenommen wie instabile private Verhältnisse. Nicht selten hat ein privater Rosenkrieg ein Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen. Auch wenn es scheinbare Privatsache ist, kann der Unternehmer die Bank präventiv über bevorstehende Veränderungen informieren. Damit lässt sich das Überraschungsmoment für die Bank reduzieren und die Veränderungen können aus Sicht des Unternehmers erklärt werden.

Werden Beträge zur Einlösung von Auszahlungen erst in letzter Minute oder erst nach Fälligkeit angeschafft und bleiben Auszahlungen daher liegen oder führen sie zu Überziehungen, so deutet dies auf eine Liquiditätskrise oder auf Desorganisation beim Kunden hin.

Dem Kreditnehmer sollte auch bewusst sein, dass neue Kreditaufnahmen bei anderen Banken in der Regel nicht unentdeckt bleiben, diese regelmäßig in allen Banken zugänglichen Kreditregistern verzeichnet werden. Auch werden Firmenbücher regelmäßig und vollautomatisch von Banken auf Veränderungen bei ihren Kunden überwacht.

Vermehrte Anfragen aus Lieferantenkreisen oder von Geschäftspartnern des Kreditkunden (“Bankauskünfte”) wecken Misstrauen. Auch Banken selbst holen teilweise Handelsauskünfte und Bankauskünfte ihrer Kreditkunden ein, um die Außenwahrnehmung ihres Kunden zu überprüfen. Wird ein Kunde von Kreditversicherungen (zur Besicherung von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, die Lieferanten des Kreditkunden offen haben), so erfährt dies die Bank oftmals, da sie beispielsweise auch Lieferanten des Kreditnehmers mit Zessionskrediten bedient.

Generell sollte der “heiße Draht”, den Banken zu den Geschäftspartnern ihres Kunden haben nicht unterschätzt werden. Banken sind Informationsdrehscheiben und erfahren vieles, sie erfahren es besser zuerst von ihrem Kunden selbst!

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